Heute waren wir zum ersten Mal in diesem Jahr wieder am Fluß. Er sieht so verdammt friedlich aus und ich wünschte es wäre schon Sommer. Dann wäre ich wohl hinein gesprungen. Aber ich weiß auch, daß er sich sobald die wirklich warmen Tage zurück kehren, wieder in ein reißendes und sehr gefährliches Flußbett verwandeln wird. Klar, wenn der Schnee aus den Bergen schmilzt, kommt er in flüssiger Form ins Tal.
Als ich auf einem Stein saß, mir die Sonne ins Gesicht scheinen ließ und mein Schatz mir den Kopf kraulte- da wünschte ich mir, daß dieser Moment ewig andauern würde. Als ich die Augen schloß und dem plätschern des Wassers zuhörte, da kam es mir vor, als ob ich mir eine Entspannungscd anhörte. Es war ein wirklich schöner Moment und wir stellten fest, daß wir das schon verdammt lange nicht mehr getan haben. Im Anschluß haben wir noch ein paar Dinge eingekauft, die Küche gemeinsam gemacht und die Wäscheberge sortiert. Es ist wieder eine Wäsche fertig und im Schlafzimmer duftet es nach Lenor.
Und doch ist es wieder kurz vor 3 und ich kann nicht einschlafen- bin noch nicht einmal müde. Mein Schatz muß Morgen früh wieder zur Arbeit und kommt auch vor 20 Uhr nicht zurück. Er hat Schichtdienst und das sind teilweise sehr verrückte Zeiten, zu denen er zur Arbeit muß. Wenn ich ihn so anschaue, so stelle ich fest, daß auch er schon lange nicht mehr gelacht hat und wie sehr ihm dieser ständige Wechsel der Arbeitszeiten zusetzt...
Er sagt, daß sich dieses Jahr vieles zum positiven verändern wird.
Ich kriege meistens die Motten, wenn ich das höre und komme mir zeitgleich schon vor, wie eine verbitterte alte Tante. So abgeklärt, desillusioniert und hoffnungslos. Aber wie er mir sagte, wenn wir nicht mehr daran glauben, keine Träume mehr haben und keine Hoffung- dann wird sich auch nichts verändern. Ja- ich sage mir dann aber, wenn ich mich immer wieder freue und es passiert nichts, dann geht es mir nachher noch schlechter. Enttäuschte Hoffnungen und Träume sind schlimmer, als wenn man keine hat bzw. sich nicht so herein steigert. Den Fehler habe ich früher immer gemacht- naiv wie ich war. Mich in alles hinein gesteigert und war dann sehr enttäuscht- ja am Boden zerstört, wenn es nicht eintraf. Vieles kann man gewiß verändern- aber ich glaube NICHT mehr daran, daß man alles haben kann, wenn man es sich nur gut genug vorstellt. Wie konnte ich das nur jemals glauben...










